Reptilien - Auslauf in der Wohnung

Gerade auf Instagram und Facebook sieht man sehr häufig vermeintlich niedliche Bilder von Echsen und Schlangen die mit Katzen durch die Wohnung tapsen, auf dem Sofa sitzen oder durchs Gras schlängeln. Dies vermittelt leider ein mehr als falsches Bild von diesen Tieren und deren artgerechter Haltung.

Die Reptilien in der Heimtierhaltung kommen zumeist aus völlig anderen Klimazonen als wir sie hier in der Schweiz haben. Dazu kommt, dass Reptilien ihre Körperwärme nicht selbst "produzieren" können, sprich sie sind wechselwarm und auf die Temperatur der Umgebung angewiesen um zu leben und zu überleben. Ist es viel zu heiss oder viel zu kalt über einen längeren Zeitraum sterben sie. Das Klima im Terrarium wird ja auch häufig kleinlich überwacht mit 3 Thermometern und 5 Hygrometern. Alles muss auf den Punkt passen, weil es überall heisst dass es so wichtig ist (stimmt natürlich auch), aber gleichzeitig wird dann das Tier aus dem Terrarium herausgenommen, aus der "perfekten Klimazone" heraus und auf dem Arm rumgetragen, mit aufs Sofa genommen, sie dürfen in der Wohnung rumrennen (häufig Bartagamen) oder im Garten rumkriechen. Offenbar wird hier vergessen, dass das Klima ausserhalb des sorgsam gepflegten Terrariums überhaupt nicht passt.

Dazu kommt, dass Reptilien keine Tiere sind die gerne angefasst werden - auch wenn es so scheint, weil der Leopardgecko auf die Hand gekrabbelt kommt. Sie sind oftmals neugierig und zutraulich und kommen daher auch gerne mal schauen was los ist. Die Tiere sind sich aber ja nicht bewusst, dass sie von ihrem Ausflug schwer krank werden könnten. Hier liegt es in der Verantwortung des Halters ein möglichst grosses, abwechslungsreiches Terrarium zu gestalten mit passendem Klima und Beschäftigungsmöglichkeiten. Ein Ausflug in der Wohnung oder im Garten ersetzt keine artgerechte Haltung bzw. ersetzt überhaupt nichts.

Reptilien die sehr oft Ausflüge "geniessen" neigen z.B. dazu an Parasiten zu erkranken durch den Stress und die unpassenden Klimawerte. Genauso erkranken vor allem Königspythons und Bartagamen von diesen Ausflügen sehr oft an Lungenentzündungen. Ein Ausflug kann im schlimmsten Fall also auch zum Tod des Schützlings führen.

Da Reptilien Fluchttiere sind, ist es nicht in Ordnung sie an einer Leine im Garten oder sonst wo auszuführen (ja gibt es leider wirklich). Einer Bartagame kann man ein sicheres Aussengehege für die warmen Sommertage bauen das mindestens so gross wie das Terrarium sein sollte und der gleichen Ausstattung. So können sie bei passender Aussentemperatur von frischer Luft und echtem Sonnenlicht profitieren und sich verstecken oder klettern wie sie wollen. 

Wir haben leider auch oft Bartagamen mit schweren Erkrankungen aufgrund des Auslaufs in der Wohnung. Bitte denkt nicht "Bisher wurde sie ja nicht krank, kann schon nicht so schlimm sein", wenn euer Tier deswegen leidet oder gar stirbt werdet ihr euch spätestens dann grosse Vorwürfe machen.

Reptilien sind keine Kuscheltiere und gehören in ihr Terrarium wo sie entscheiden können was sie tun und wo das Klima passt, ohne Stress.

Reptilien werden nicht zahmer je mehr man sie auf die Hand nimmt wie es häufig empfohlen wird. Wie alle Tiere haben sie Charakter, die einen sind scheuer, die ander zutraulicher, die nächsten bissig. Keiner würde eine sehr aggressive 2 Meter Boa alle 2 Tage rausnehmen um sie zu zähmen... Wer kämpft schon gerne alle 2 Tage mit einer Boa die sich in die Hand verbissen hat und deinen Arm würgt. Alleine die Zeit bis die wieder abgewickelt ist... und die Verletzungen... Aber bei einer kleinen gestressten Kornnatter oder einem scheuen Leopardgecko geht das schon, der kann sich ja nicht wehren. Stresssymptome werden leider zusätzlich auch noch oft fehlinterpretiert wie Augen schliessen bei Echsen oder ruhiges liegenbleiben bei einer Schlange (oft sieht man ein starkes Pumpen der Lungen). 

Wenn euer Tier nicht von selbst zutraulich wird, dann bitte lasst es in Ruhe. Stellt euch vor ihr hättet Angst und würdet einer Situation immer und immer und immer wieder ausgesetzt, irgendwann findet sicherlich eine Gewöhnung statt nach sehr langer Zeit aber bis dahin werdet ihr jedes Mal Todesangst haben immer und immer wieder. Möchtet ihr das wirklich eurem geliebten Haustier antun? Nur damit ihr es anfassen könnt und rumtragen? Das ist es wirklich nicht wert.

Fazit: Fasst eure Tiere nur so häufig wie nötig an und erfreut euch am Beobachten der Tiere. Es gibt Arten die an warmen Tagen von einem Aussengehege profitieren würden, informiert euch genau darüber bevor ihr handelt. Richtet euer Terrarium artgerecht und abwechslungsreich ein, legt immer mal wieder abwechselnd einen neuen Gegenstand rein zum Erkunden, hängt das Futter für eure Bartagamen an der Decke auf oder verteilt es im Terrarium, füttert nicht ab Pinzette, sondern lasst eure Echsen jagen.


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Begünstigter: Verein Reptilien Auffangstation Schweiz, 9100 Herisau

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