Krankheiten durch Haltungsfehler - Zwerg-/Bartagamen

Aktualisiert: 4. Nov. 2021

Über 90% der Krankheiten werden bei Reptilien durch Haltungsfehler verursacht. Umso wichtiger also, dass unsere Reptilien artgerecht gehalten werden um dies zu vermeiden. Gerade (Zwerg-)Bartagamen sind oft Opfer von falscher Haltung und Ernährung und besonders oft betroffen. Daher möchten wir in diesem Beitrag genauer auf die häufigsten Erkrankungen und deren Ursachen eingehen.


Die gängigsten Haltungsfehler sind: falsche Ernährung, Überfütterung, zu kleines Terrarium, Gruppenhaltung, fehlende Winterruhe, falsche Beleuchtung, falsche Einrichtung, loser Sand, Auslauf in der Wohnung, Auslauf im Garten ohne gesichertes Gehege


Die häufigsten Organerkrankungen bei Bartagamen sind Leber- und Nierenerkrankungen. Diese werden vor allem durch falsche Ernährung begünstigt. Aber auch zu kühle Haltung, überdosierte Vitamingabe, falsche Medikamentengabe (z.B. durch unqualifizierten Tierarzt) und fehlende Winterruhe tragen dazu bei.

Ohne Winterruhe hat der Organismus der Bartagame keine Erholungspause und so überlasten auch die Organe schneller. Daher gehört es zu einer artgerechten Haltung zwingend dazu, dass die Bartagamen überwintert werden um ihre Gesundheit zu erhalten.

Wenn die Bartagame krank ist, sollte man nur zu einem Tierarzt gehen, der eine Zusatzausbildung auf Reptilien hat, z.B. "ECZM". Jeder Tierarzt der keine Ausbildung hat, sich aber als «Reptilien behandelnd» ausgibt, riskiert das Leben eures Tieres. Fahrt also für eine korrekte Behandlung lieber etwas weiter und schützt so eure Bartagame vor falschen Diagnosen und Behandlungen.

Zu kühle Haltung hängt oft auch mit falscher Beleuchtung zusammen, es ist zwingend notwendig einer Bartagame mindestens eine Metalldampflampe mit externem Vorschaltgerät anzubieten. Die Lampe muss den ganzen Tag laufen, nicht nur stundenweise. Auf keinen Fall geeignet sind Mischlampen mit integriertem Vorschaltgerät, diese bringen nicht die korrekte Leistung an UV und Helligkeit zu Stande. Zusätzlich zur Metalldampflampe sollte das Terrarium mit mindestens zwei Tageslicht Leuchtstoffröhren (Lichtfarbe 965, z.B. «Biolux» von Osram) ausgeleuchtet werden. Bartagamen kommen aus Australien und sind tagaktiv, daher haben sie ein hohes Bedürfnis an Licht und UV um gesund zu bleiben. Sie haben sogar ein «drittes Auge» auf dem Kopf mit dem sie UV-Strahlung wahrnehmen. Haben sie also zu wenig oder kein passendes UV-Licht sind sie sozusagen auf einem Auge blind und werden meist sehr schwerfällig.

Vitaminpulver sollte niemals im Terrarium zur freien Verfügung stehen, auch sollte man damit sparsam umgehen und lieber möglichst abwechslungsreiches Futter anbieten.

Leider werden Bartagamen auch immer noch weitestgehend falsch ernährt. Dies beginnt bei Fertignahrung aus dem Zoofachhandel – es gibt keine artgerechte Fertignahrung für Bartagamen, also Finger weg! Auch sind Früchte und Gemüse keines Falls geeignet für Bartagamen, sie führen zu Durchfällen und begünstigen die Vermehrung von Parasiten. Es sollte ein Fastentag pro Woche gehalten werden (bei ausgewachsenen Bartagamen) um Überfütterung zu vermeiden. Während allen andern Tagen darf frisches Grünfutter angeboten werden in Form von Wildkräutern – eine Futterliste mit Bildern was geeignet ist, findet ihr auf der Website – z.B. Löwenzahn, Spitzwegerich, Gänseblümchen, Haselnussblätter, Brennesel und vieles mehr. Je abwechslungsreicher der Speiseplan desto besser! Die gesammelten Kräuter können auch gerne für 2-3 Tage im Kühlschrank gelagert werden, man muss also nicht zwingend jeden Tag frisch holen. Häufig führen aber leider die Insekten Fütterungen zu Organschäden – sie werden viel zu häufig gefüttert. Bartagamen sind vor allem auf pflanzliche Nahrung ausgelegt, es sollten daher nur 3-4 Heuschrecken oder Schaben alle 7-10 Tage sein. Maden und Mehlwürmer sollten auf keinen Fall gefüttert werden, sie sind viel zu gehaltvoll. Eine Bartagame mit Übergewicht kann sich schlechter bewegen, daher büsst sie Lebensqualität ein. Ausserdem beeinträchtigt es natürlich sämtliche Organe und führt früher oder später zum Tod. Um die Bartagame fit zu halten kann das Grünfutter im Terrarium verteilt werden, auch aufhängen damit sie sich strecken muss ist eine Variante. Insekten nicht ab Pinzette füttern sondern jagen lassen gibt zusätzliche Bewegung rein. Unsere Drachen fressen Insekten natürlich ausgesprochen gerne, um ihre Gesundheit zu erhalten sollten sie aber nur selten gegeben werden. Wenn Bartagamen krank sind, ziehen sie sich oft zurück und stellen das fressen von Grünfutter ein. Dann wird häufig der Fehler gemacht, die Tiere mit Insekten zu locken, denn «das frisst er ja noch zum Glück!». Damit macht man aber einen extrem schwerwiegenden Fehler! Denn eine so proteinreiche Nahrung hat sofort einen extrem schlechten Einfluss auf die Nieren und das sowieso schon kranke und geschwächte Tier hat damit eine zusätzliche Belastung und kann an Nierenversagen sterben. Sollte die Bartagame also über längere Zeit Grünfutter verweigern und sich zurückziehen ist der sofortige Gang zum reptilienkundigen Tierarzt gefragt. Dort sollte immer unbedingt ein Blutbild gemacht werden, um zu checken wie es um die Organwerte steht.


Bartagamen sind Einzelgänger, trotzdem werden Sie leider immer noch häufig Paarweise oder in Gruppen gehalten. Dies führt leider oft zu Unterdrückung und zu Kämpfen. Wenn Bartagamen aufeinander liegen, ist das kein Kuscheln, sondern zumeist einem zu kleinen Terrarium und zu wenigen UV-Wärmeplätzen geschuldet. Das darunterliegende Tiere wird unterdrückt und bekommt nicht die nötige Wärme und UV-Strahlung ab und kann somit erkranken. Noch schlimmer wird es, wenn sich die Tiere anfangen zu streiten, es kommt nicht selten zu schweren Bissverletzungen. Leider werden die Bartagamen hier oft nicht zum Tierarzt gebracht, abgebissene Zehen, Schwanzspitzen und andere Wunden gehören aber mit Antibiotika und Schmerzmittel abgedeckt! Stellt euch vor ihr verliert einen Finger und müsst die Schmerzen und mögliche Blutvergiftung einfach so ertragen. Häufig müssen Gliedmassen dann beim Tierarzt amputiert werden. Sicherer und artgerechter ist es also, seine Bartagame einzeln zu halten. Das sie sich einsam fühlen könnte ist eine reine Vermenschlichung, Bartagamen fehlt tatsächlich der Teil im Gehirn der für Zuneigung und Bindung zuständig ist. Es ist also physisch nicht möglich, dass sich eine Bartagame alleine fühlen könnte.


Zur falschen Einrichtung ist vor allem loser Sand und Plastikpflanzen zu nennen. Da Bartagamen pflanzliche Nahrung zu sich nehmen, beissen sie natürlich im blöden Fall auch nach den schön grünen oder farbigen Plastikpflanzen. Einmal im Verdauungstrakt führt dies zu einem Magen- oder Darmverschluss und ist daher sehr gefährlich. Wer sein Terrarium etwas grüner gestalten möchte, kann dies gerne mit Futterpflanzen tun. Es gibt einige davon im Zoofachhandel zu kaufen, z.B. «Schönpolster». Loser Sand wird leider oft durch die Bartagamen aufgenommen, z.B. beim ablecken der Umgebung oder beim Jagen von Futtertieren. Auch dies führt häufig zu einem Darmverschluss und endet in einer aufwändigen Operation. Geeignet ist hier ein Bodengrund aus festem Lehm-Sand, diesen kann man auch fertig gemischt im Zoofachhandel kaufen. Häufig wird hier aber der Fehler gemacht, dass der Sand nicht nass gemacht wird. Ohne Wasser kann der Lehm nicht binden und der Sand bleibt lose. Daher muss auf einen 20 Liter Sack Lehm-Sand sicher 3-4 Liter Wasser untergemischt werden. Alles gut anklopfen, ein paar Hügel bilden und dann ca. 2 Wochen trocknen lassen.


Auslauf in der Wohnung oder im Garten führt natürlich zu vielen Gefahren. So kann z.B. eine Katze oder Hund (auch wenn er noch nie was gemacht hat) eine Bartagame schwer verletzen oder töten. Zu den Gefahren von anderen Haustieren kommt auch, dass das Klima für Bartagamen ausserhalb des Terrariums völlig ungeeignet ist. Dazu gibt es auch einen separaten Blog Beitrag für nähere Informationen. Somit führt «Auslauf» bei Bartagamen häufig zu Verletzungen, Atemwegsinfekten bis Lungenentzündungen und Verlust des Tieres. Denn eine Bartagame ungesichert im Garten laufen zu lassen ist äusserst wagemutig. Es wäre nicht das erste Tier das plötzlich innert Sekunden davongerannt wäre und verschwindet, um dann allenfalls von einem Tier getötet zu werden oder erbärmlich zu sterben. Eine Haltung im Garten über den Sommer ist durchaus bei geeigneten Temperaturen möglich, allerdings nur in einem gut gesicherten Aussengehege das mindestens so gross wie das Terrarium ist und mit passender Einrichtung – ebenfalls wie im Terrarium.


Was ausserdem einmal jährlich durchgeführt werden sollte ca. im August ist eine Untersuchung des Kotes auf Parasiten. Denn überwintert man eine Bartagame ohne vorherige Kontrolle und allenfalls Behandlung der Parasiten, kann diese während der Winterruhe sterben. Es ist wichtig die Untersuchung möglichst früh durchzuführen, damit man bei allfälligen Parasiten genügend Zeit hat die Bartagame zu behandeln und anschliessend nochmals zu testen. Erst bei einem negativen Testergebnis darf die Bartagame über den Winter ruhen.


Wenn zumindest diese wichtigen Punkte in der Haltung beachtet werden, hat eure Bartagame eine gute Chance gesund und alt zu werden und natürlich auch glücklich zu sein.


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